Sechs Tage in der Bahn

Weihnachten war ganz anders als es normalerweise in Deutschland wäre. Den ganzen Dezember lang hatte ich überhaupt keine Weihnachtsstimmung. Das könnte daran gelegen haben, dass es weiterhin heiß war und die Sonne wie immer schien. Dass Weihnachten vor der Tür stand, habe ich nur im Supermarkt gemerkt, wo Platikweihnachtsbäume und Weihnachtsschmuck verkauft wurden. Unser Weihnachten haben wir in der Gossner Mission mit den anderen Brot-Freiwilligen und unserer Mentorin gefeiert. Das Festessen bestand aus Kartoffelsalat und Würstchen. Zum Nachtisch gab es Eiscreme. Das war ein Highlight für mich, weil Eiscreme in Sambia teuer ist und noch dazu können wir das mit unseren Fahrrädern nicht schnell genug nach Hause transpotieren.

Mit Susanne, Pia und Mayleen, andere Freiwillige von Brot für die Welt, sind wir nach Weihnachten mit einem Zug nach Tansania gefahren. Wir sind am 26. Dezember früh aufgestanden um einen der ersten Busse nach Kapiri Mposhi(dem Zugabfahtspunkt) zu erwischen. Zufälligerweise waren auch die Freiwilligen des ASC Göttingen im selben Bus, die hatten nämlich auch vor nach Tansania in zu reisen. Nach gut drei Stunden Busfahrt suchten wir in Kapiri Mposhi den Bahnhof, der ziemlich abgelegen ist. Zu zehnt (5 Brot und 5 ASC) liefen wir mit unseren Wanderrucksäcken zum Bahnhof, an dem wir noch ein paar Stunden auf die TaZaRa gewartet haben. Die TaZaRa wurde in den Siebziger Jahren gebaut und fährt zwei mal die Woche von Kapiri Mposhi nach Dar Es Salaam in Tanzania.

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Bahnhof in Kapiri Mposhi

Die Strecke von Kapiri Mposhi nach Dar Es Salaam ist ungefähr 2000 km lang und sollte 48 Stunden dauern. Wie so vieles hier ist das eher eine Schätzung als die Wirklichkeit. Am ersten Tag sind wir schon mit 6 Stunden Verspätung an der Grenze angekommen. Am zweiten Tag ist der Zug um 8 Uhr morgens stehengeblieben, gerade als ich aus der Dusche kam. Auf der Strecke vor uns war ein Güterzug entgleist und den Zug wieder auf die Schienen zu heben hatbis in den späten Nachmittag gedauert. Am dritten Tag und mit einem ganzen Tag Verspätung sind wir dann endlich in Dar Es Salaam angekommen. Der arabische Einfluss ist überall erkennbar, nicht nur an den vielen Moscheen sondern auch an der Architektur und der Bevölkerung. Unsere Unterkunft für die eine Nacht bis wir auf Sansibar sein würden hatte Zugang zum Dach, auf dem wir die Stadt bewundern konnten und Passionsfrüchte gegessen haben.

Am nächsten Tag sind wir mit der Fähre nach Sansibar übergesetzt. Auf der Fähre lief ein James Bond Film. Der erste Eindruck von Sansibar, als wir mit der Fähre näher kamen, war einer von blauem Meer und bunter Promenade. Auf der Suche nach Transport zu unserer nächsten Unterkunft sind wir erst ein wenig umhergeirrt, aber am Ende saßen wir in einem Kleinbus Richtung Ostküste. Wir hatten erst am Abend vorher erfahren, dass es irgendwie unsere originelle Unterkunft nicht mehr gäbe und haben noch schnell umgebucht. Unsere geplante Unterkunft wäre in Paje gewesen, also sind wir nach Paje gefahren, aber da merkten wir, dass unsere neue Unterkunft weiter südlich war. Dann endlich am richtigen Ort und Haus angekommen, haben wir auf den Verwalter mit den Schlüsseln gewartet. Das Haus war eine Überrraschung für mich. Es war groß aber mit sehr wenig Möbeln. Die Zimmer hatten alle nur Betten und im offenen Wohnzimmer war ein Tisch und natürlich ein großer Fernseher. Auf Sansibar gibt es viele Hotels und Resorts, aber wir haben in einem Haus von Einheimischen übernachtet. Ich vermute, dass unsere drei lustigen Vermieter zusammen ein Haus gebauthaben mit der Absicht auch vom Tourismus zu profitieren, was ein sehr gutes Projekt ist, weil normalerweise ausländische Unternehmer am Tourismus am meisten verdienen und nur ein kleiner Teil des Profits der örtlichen Bevölkerung zu gute kommt. An Silvester sind wir einige Zeit am Strand entlang gelaufen und haben die Zeit bis Mitternacht an einer Strandbar mit sandiger Tanzfläche verbracht. Um Mitternacht sind wir im Meer schwimmen gegangen und dann wieder zurück gelaufen. Es gab kaum Raketen, aber es war dennoch ein schönes entspanntes Erlebnis.

Danach sind wir zu unserer Unterkunft in Stone Town gefahren, der älteste Teil von Sansibar Town. Hier war der arabische Einfluss noch stärker zu sehen. Unzählige Male sind wir in den kleinen Gassen umhergeirrt. Hinter jeder Ecke gab es etwas Neues zu sehen. Das Leben findet sozusagen auf der Straße statt. In den Fassade der Gebäude sind Bänke eingelassen und ich habe andauernd Menschen beim Boa Spielen(ein Spiel mit Steinen auf einem Holzbrett mit Löchern) gesehen oder einfach nur am Unterhalten in größerer Runde. In der Nähe unserer Unterkunft war ein offener Platz mit Fernseher (für Fußballspiele) und einem Ferntelefon. Auffällig waren auch die vielen Souvenierläden, die auch fast alle das gleiche verkauften. In Stone Town haben wir den Gewürzmarkt besucht und ich habe einige mir vorher unbekannte Gewürze für meine Mutter gekauft.

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Nach Stone Town haben wir die lange Reise wieder zurück nach Sambia angetreten. Auf der Fähre zurück lief eine Folge von Top Gear und am letzten richtigen Nachmittag in Tansania sind wir ein wenig in Dar Es Salaam herumgelaufen. Am nächsten Tag ging es wieder rein in die TaZaRa. Auf der Hinreise waren wir in zwei 1. Klasse Abteilen aufgeteilt, aber für die Rückreise haben wir ein 2. Klasse Abteil gebucht, damit wir zusammen sein konnten. Auf dem Rückweg hatten wir wieder Verspätung und haben leider die Grenze nach Sambia erst um Mitternacht errreicht. In Kapiri Mposhi kamen wir dann wieder nach drei Tagen Fahrt um halb 5 morgens an. Dort wurden wir unfreundlich geweckt und fast schon aus dem Zug gedrängt. Zum Glück warteten bereits Minibusse vor dem Bahnhof, sodass wir direkt nach Lusaka fahren konnten.

In Lusaka haben wir eine Nacht bei der Gossner Mission verbracht, bevor wir zurück nach Kafue fuhren. Zur gleichen Zeit waren auch der Direktor und ein weiterer Mitarbeiter der Gossner Mission zu Besuch, mit denen wir gegrillt haben. Am nächsten Tag sind Niklas und ich mit dem Minibus zurück nach Kafue gefahren.

Es war schön nach einer längeren Zeit wieder daheim zu sein.

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