Viel zu feiern

Dass die Abstände zwischen den Blogbeiträgen immer größer werden, liegt nicht daran, dass wir die Lust am schreiben verloren haben. Für uns ist mittlerweile jedoch fast alles hier selbstverständlich und es gibt nicht mehr so viele neue Eindrücke wie zu Beginn des Freiwilligendienstes. Trotzdem gibt es natürlich Einiges über die letzten Wochen zu berichten.

Im Handwerkerteam arbeiten wir momentan hauptsächlich an der schwimmenden Pumpe auf dem Kafue River. Durch das Entfernen des Seegras‘ entstand noch fast auf dem Schulgelände ein schöner Uferbereich, den wir unseren Arbeitsplatz nennen können. Angefangen haben die Arbeiten jedoch in der Schulgarage. Dort wurde die Plattform zusammengeschweißt und gestrichen, um sie gegen Rost zu schützen. Die Pumpe wurde von einem unserer Vorgänger entworfen und von den Plänen war ich sehr beeindruckt. In Wirklichkeit ist die Plattform jedoch etwas kleiner geraten und es wurde -wie so häufig- viel improvisiert. Der Trecker samt Anhänger beladen mit der Plattform, den Tonnen als Schwimmkörper, dem Werkzeug und uns, dem Handwerkerteam, hat sich dann auf den Weg zum Fluss gemacht. Nun wird auf dem Wasser weiter an der schwimmenden Pumpe gearbeitet. Da nicht alle Kollegen gleichzeitig auf die Plattform passen, verbringen andere die Zeit mit Angeln. Ein Highlight war, als wir den vormittags gefangenen Fisch zum Mittagessen auf einem Kohlegrill gebraten haben. Frischer geht es nicht. Die Fische waren zwar recht klein aber sehr lecker. Die Materialien werden häufig mit dem Schooltruck zum Ufer gefahren. Dieser ist nach Monaten in der Werkstatt wieder zurück an der Schule. Der Truck wirkt allerdings so, als müsste er direkt wieder dorthin zurück. Um den Motor auszustellen, muss man an einem Seil ziehen, was irgendwo aus dem Motorraum kommt und die Gänge kann man nur mit roher Gewalt einlegen. Trotzdem ist die Rückkehr des Trucks sehr hilfreich.img_3683

Neben der eigentlichen Arbeit haben wir uns noch selber welche geschaffen, indem wir Ablagen für Wohn- und Badezimmer gebaut haben. Das Ergebnis ist zwar nicht perfekt, jedoch war es eine super Erfahrung, alle Arbeitsschritte vom Sägen und Schweißen der Stützen bis zur Montage selbstständig durchzuführen.

Vor kurzem konnte die Tischtennis AG wieder starten. Diese musste leider pausiert werden, weil alle Bälle kaputt waren (Die Schüler spielen sehr gut und schmettern dementsprechend hart). Etliche Nachfragen bei Lehrern und die Suche im Sportraum blieben erfolglos. Auch in Kafue lies sich kein Geschäft finden, in dem man Tischtennisbälle kaufen kann. Nun konnte uns jedoch ein Lehrer mit seinem einzigen privaten Ball weiterhelfen, sodass die AG wieder halbwegs läuft. Wir sind weiter auf der Suche nach einer langfristigen Lösung, bei unserem Besuch in Lusaka in den Weihnachtsferien werden wir aber bestimmt welche auftreiben können.

Da innerhalb eines Monats fünf der sechs Sambia-Freiwilligen Geburtstag hatten, gab es viele Besuche. Angefangen hat es mit Lukas‘ Geburtstag, über den er schon berichtet hat. Kurz darauf haben wir unsere Mitfreiwillige Mayleen in Choma besucht. Sie arbeitet dort an einem Mädcheninternat, welches wie die Kafue Boys Secondary School zur United Church of Zambia gehört. Sie lebt jedoch nicht in einer WG, sondern bei einer Lehrerin. Der Kontrast zwischen unserer spartanisch eingerichteten Wohnung und der mit sämtlichen Porzellanfiguren, Bestecksets, Familienfotos und Töpfen eingerichteten Wohnung war enorm. Ebenfalls interessant war es die Unterschiede zwischen den Schulen kennenzulernen. Wir waren zwar nur am Wochenende dort, haben jedoch vom Fach Hauswirtschaftslehre erfahren. Der Unterricht ist also sehr auf bestimmte Geschlechterrollen ausgelegt. Bei uns in Kafue findet man zum Beispiel keine Sprachen außer Englisch und auch keine künstlerisch-musischen Fächer, dafür umso mehr Naturwissenschaften.

Als nächstes folgte mein Geburtstag, zu dem die Anderen wieder nach Kafue gekommen sind- diesmal jedoch nur recht kurz. Zusammen haben wir in den Geburtstag reingefeiert. Für den Nachmittag hatte ich die Arbeitskollegen zum Grillen eingeladen. Ich war total gespannt, wer wann kommen würde, vor allem weil es sich wohl rumgesprochen hatte, dass ich feiere, und viele Leute gefragt haben, ob sie auch kommen können. Die Gäste kamen erst nach ein bis zwei Stunden, wir hatten aber eine Menge Spaß und es war auch mal gut unter der Woche ein bisschen Abwechslung zu haben.

Der bisher letzte Geburtstag war der von Susanne, die mit Pia zusammen in einer eher ländlichen Gegend in einem Jugendzentrum arbeitet. Um dorthin zu gelangen mussten wir nach der Fahrt mit einem Reisebus in der nächstgrößeren Stadt am Straßenrand auf eine Mitfahrgelegenheit warten. Dies klappte jedoch erstaunlich gut und so waren wir eine Stunde später in Sinazese. Am darauffolgenden Tag haben wir einen Abstecher zum Karibasee gemacht, wo uns auf dem Parkplatz einige Paviane begegneten.  Die Fahrt habe ich besonders genossen, weil die beiden mit dem Projektauto fahren durften, so dass wir unabhängig waren. Sonst ist man häufig auf Fahrer angewiesen.

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Karibasee

Auch Kafue haben wir weiter erkundet. Von Kalenga haben wir den Hinweis auf einen Secondhandladen bekommen. Von diesem waren Lukas und ich total begeistert, weil es unzählige Klamotten aus Deutschland gab: Unter anderem ein T-Shirt von der CDU oder eines mit dem Aufdruck „Abschleppdienst“. Das lustigste T-Shirt fanden wir jedoch nicht in dem Laden sondern an der Schule. Dort lief jemand mit dem T-Shirt „Lecken, Schlucken, Beißen- Ich liebe Tequila“ herum.

An einem verregneten Sonntag habe ich mich mit dem Fahrrad auf in die Stadt gemacht, um dort ins Fitnessstudio zu gehen. Kurz nachdem ich das Schulgelände verlassen hatte, tauchte neben mir ein Junge meines Alters und ebenfalls auf dem Fahrrad auf. Wir kamen ins Gespräch und unterhielten uns bis nach Kafue. Er leitet eine Pfadfindergruppe und hatte mich zu den Meetings eingeladen. In der Stadt trennten sich dann unsere Wege. Von dem Fitnessstudio war ich echt überrascht, da es sogar Laufbänder gab, ich kein Gerät vermisste und es sogar eigenes Merchandise gab. Noch mehr überraschte mich jedoch, dass auf meinem Rückweg der Pfadfinder wieder neben mir auftauchte. Wir fuhren also gemeinsam wieder zurück. Dabei machten wir noch einen Halt bei seiner Mutter, wo ich auf ein Getränk eingeladen wurde. Später zeigte er mir auch noch, wo er wohnte und begleitete mich bis zur Schule. Über so eine Herzlichkeit und Offenheit, die man immer wieder erlebt, freue ich mich sehr.

Die letzte Zeit war auch von einigen Begegnungen mit Tieren geprägt. Durch die Regenzeit wird die Landschaft wunderschön, jedoch kommen nun auch immer mehr Insekten in die Wohnung. Kurz nach starken Regenfällen fliegen Termiten abends vor Lampen und Fenstern umher. Sie schaffen es durch die kleinste Öffnung und das Ganze ähnelt einer Plage, da sich ca.100 von ihnen vor jedem Fenster befinden. Nach ca. zwei Stunden ist das Spektakel jedoch schon vorbei, die Termiten verlieren ihre Flügel und sterben. Diese Insekten, genannt Inswa, werden häufig aufgesammelt und gebraten. Ebenfalls beeindruckend war die Begegnung mit einem Chamäleon, das seelenruhig den Weg kreuzte. Am meisten ist jedoch eine Begegnung am Fluss hängengeblieben. Wir wollten unserer Mitfreiwilligen Mayleen die Stelle für die schwimmende Pumpe zeigen. Während wir alle aufs Wasser schauen, höre ich hinter uns ein Rascheln, drehe mich um und sehe ein Krokodil ins Gebüsch huschen. Da dies so schnell ging, war ich mir nicht wirklich sicher, ob es ein Krokodil war. Der Deputyhead erzählte mir jedoch im Laufe des Tages, dass Anwohner auch ein Krokodil gesehen hatten.

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Inswa- fliegende Termiten

Nun ist es nur noch eine Woche, bis der dritte Term und somit das Schuljahr vorbei ist. Einige 12.Klässler haben die Schule schon verlassen und auch insgesamt wird es immer ruhiger. Zum Glück haben wir für die Weihnachtsferien schon einiges geplant, worauf ich mich sehr freue.

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