Neue Aufgaben

Das häufige Warten und dadurch auch die Langeweile vom Beginn unseres Jahres sind mittlerweile Geschichte. Wir sind durch neue Aufgaben und Bekanntschaften viel unterwegs. Im Handwerkerteam gibt es deutlich mehr zu tun und wir können nun auch selbstständiger arbeiten. In letzter Zeit haben wir viel mit unserem Kollegen Clement zusammengearbeitet, was sehr angenehm war, weil er uns viele Fertigkeiten beigebracht hat, so dass wir nun unabhängiger arbeiten können und nicht mehr so viel zuschauen müssen. Mit ihm haben wir ein Abflussbecken für die Mensa zusammengeschweißt. Dies fand auf dem Gang zwischen den Schülern statt. Dabei passierte etwas kurioses, was Lukas und mich echt zum Schmunzeln brachte. Ein Lehrer kam während der Unterrichtszeit mit seinem kaputten Bügelbrett vorbei. Ich dachte, wir würden nun den Auftrag bekommen, dieses wieder zu reparieren, aber der Lehrer schnappt sich einfach das Schweißgerät und hilft sich selber weiter- wohlbemerkt in Hemd, Anzughose und Lederschuhen 😃 Das ganze Handwerkerteam ist zurzeit mit den Vorbereitungen für die Abschlusszeremonie der 12.Klässler am 13.10. gut eingespannt. Dafür mussten wir zunächst ein kleines Becken unter einem Vordach bauen. Dieses soll später mit Kies gefüllt werden. Dabei haben wir gelernt zu mauern und Nyanja zu sprechen. Clement ruft einem nämlich immer etwas in der lokalen Sprache zu. Da alle Eltern auf den Unterstand, unter dem die Verleihung statt findet, schauen werden, mussten wir sehr akkurat arbeiten. Das Problem dabei war, dass am darauffolgenden Tag etwas in den Beton geschrieben war und Ecken abgebrochen waren, so dass wir viel ausbessern mussten. Zement, Sand, und Kies holen wir mit dem Trecker von anderen Baustellen auf dem Schulgelände. Nach langer Zeit und einigem Nachfragen durften wir nun auch endlich mit dem Trecker fahren. Das macht mir super viel Spaß, vor allem weil ich seit der Ausreise kein Auto mehr gefahren bin und das Gefühl schon ein bisschen vermisse. Für die Zeremonie wurde auch gleich ein ganzes Schulgebäude gestrichen, was an zwei Tagen getan war, weil fast alle Handwerker mitgeholfen haben. Um den Hunger bis zum Lunch um 12 Uhr zu überbrücken, kaufen wir uns häufig frittierte Hefeteigbällchen (Fritas) und gefüllte Teigtaschen (Pies) bei Straßenverkäuferinnen direkt am Schulgelände.

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Hier ist was los

Neben der Arbeit im Handwerkerteam helfen wir nun auch beim Computerunterricht und der Tischtennis AG mit. Die erste Unterrichtsstunde war direkt ein Erlebnis, da der Lehrer, den wir begleiten sollten, um uns erstmal langsam an den Unterricht zu gewöhnen, krank war, so dass wir Vertretungsunterricht machen sollten. Dies war aber zum Glück recht unkompliziert, da die Schüler Aufgaben hatten und wir ihnen nur bei Fragen zur Verfügung stehen sollten. Manchmal kam ich da ein bisschen ins Schwitzen, da ich mich eigentlich nicht gut mit Excel auskenne. Vorne konnten wir aber selber am PC arbeiten und so die meisten Probleme lösen. Oft standen andere Dinge an, oder wir mussten die Computer für Klausuren präparieren, so dass wir bisher erst zweimal richtig am Unterricht teilgenommen haben. Was mich dabei aber gewundert hat, war, dass trotz unterschiedlicher Lehrer und unterschiedlicher Klassen, alle Stunden exakt gleich abliefen. Da wir nun gesehen hatten, wie die Stunde verlaufen sollte, haben wir an unserem zweiten Tag beim Computerunterricht einer Klasse PowerPoint vorgestellt. Dabei mussten wir jedoch ein wenig improvisieren, weil wir morgens noch nicht wussten, was für den Tag ansteht.

Die Tischtennis AG wurde von unseren Vorgängern Simon und Markus gegründet und findet dreimal die Woche statt. Sie macht mir sehr viel Spaß, da die Schüler motiviert und selbstständig sind. Wir können also einfach mit ihnen spielen. Die Schüler scheinen nicht genug vom Tischtennis zu bekommen. Bei unserem ersten Treffen am Sonntag bin ich nach 3 Stunden wieder nach Hause gegangen, weil ich echt nicht mehr konnte. Abends haben dann einige die Schlüssel vorbei gebracht. Wer weiß, wie lange die noch gespielt haben.

Eine weitere Aufgabe besteht für uns manchmal darin, Klausuraufsicht zu machen. Da ich vor einem halben Jahr noch auf der anderen Seite saß, ist dies ein sehr seltsames Gefühl- besodners bei den 12 Klässlern, die teilweise sogar älter als ich sind. Wenn ich dann Schüler beim Spicken beobachtet habe, habe ich einfach ein Auge zugedrückt. Als einem Schüler in einer hilfsmittelfreien Matheklausur der Taschenrechner aus der Hand gefallen ist, konnte ich mir das Lachen einfach nicht verkneifen. Ähnlich ging es mir, als einige Schüler einem anderem den Stuhl wegzogen haben. In solchen Situationen fühle ich mich einfach auch noch wie ein Schüler.

Nachdem wir schon einige Wochen an der Schule gearbeitet hatten, wurden wir neulich an einem Montagmorgen bei der wöchentlichen School Assembly offiziell den Schülern vorgestellt. Dies war sehr beeindruckend, da wir nun alle Schüler auf einmal sahen.  Besonderen Eindruck haben das Singen der Nationalhymne und die einheitliche Schulkleidung gemacht. Ich frage mich, wie die Schüler es in der Schulkleidung aushalten. Die Temperaturen liegen nämlich mittlerweile deutlich über 30 Grad. Trotzdem tragen einige Schüler Wollkragenpullover und Mützen. Das Temperaturempfinden scheint aber generell ein anderes zu sein, da Lukas und ich die Einzigen sind, die sich beim Nshima Essen immer die Hände verbrennen.

Natürlich wachsen auch in Sambia die Haare weiter, sodass irgendwann der Zeitpunkt kam, dass ich mich mal zum Friseur begeben musste. Unser Kollege Kalenga betreibt seinen eigenen Barbershop, so dass ich dort recht unkompliziert hingehen konnte. Leider hatte er keine Schere, sodass ich mich für die größte Länge bei der Haarschneidemaschine entschied. Das Ergebnis haben Lukas und ich als Gefängnisschnitt bezeichnet. Er hat seine Haare eine Woche vorher sogar noch kürzer schneiden lassen. Bei der Hitze und dem geringen Wasserdruck ist so eine Frisur aber eigentlich ganz praktisch. Wenn unsere Nachbarin morgens ihren Garten wässert, kommt kaum/ kein Wasser aus der Dusche, weswegen man, um sauber zu werden, besser abends duschen sollte.

Auch in der Freizeit sind wir viel beschäftigt. Unter der Woche bekommen wir weiterhin oft Besuch von Nachbarskindern oder manchmal auch Schülern. Etwas für das Wochenende zu planen ist eher kompliziert, da Verabredungen recht vage sind. Man muss mit allem Möglichen rechnen. Um einen Kollegen zu treffen, sind wir extra in die Stadt gefahren. Nachdem wir dort zwei Stunden auf ihn gewartet haben und er mehrmals bekräftigt hat, gleich zu kommen, sind wir wieder nach Hause gefahren. Am nächsten Tag haben wir dann erfahren, dass der Minibus, mit dem er kommen wollte, einen platten Reifen hatte. Wegen solcher Ereignisse sollte man immer flexibel und spontan sein. Morgens wissen wir meistens nie, was an dem Tag passieren wird, aber irgendwie ergibt sich immer etwas, so dass wir interessante Dinge erleben. Mit Jeff, einem weiteren Kollegen, sind wir an einem Wochenende zu Tenpark gefahren. Dabei handelt es sich um einen Markt direkt an der Straße, wo die Fahrzeuge, die in Richtung Viktoriafälle fahren, halten können. Die Verkäuferinnen dort bieten fast ausschließlich Bananen, Äpfel und Orangen an. Diese halten sie einem dann an das Autofenster und man kann sich den günstigsten Preis aussuchen. Als wir von dort mit dem Taxi zurückgefahren sind, hat es auf einmal ein bisschen geholpert. Daraufhin liefen uns einige Menschen laut rufend hinterher. Als ich meinen Kopf umgedreht hatte, musste ich feststellen, dass wir über einen Verkaufsstand für Schuhe gefahren waren. Gegen eine kleine Entschädigung war aber alles wieder in Ordnung gebracht.

Außerdem wurden wir zu mehreren Veranstaltungen eingeladen und überall wurde gegrillt. Angefangen hat es mit der Abschiedsfeier von einem Freund eines Kollegen von uns. Sie fand auf einem zweigeschossigen Boot auf dem Kafue River statt. Leider gab es ein kleines Missverständnis, so dass wir etwas zu spät zum Treffpunkt kamen. Da hatte das Boot schon abgelegt. Dass das Boot extra für  uns noch einmal zurückkehren musste, war besonders peinlich, da der Gastgeber nur ein entfernter Bekannter war. Die Fahrt war aber sehr nett, da gute Musik lief, auf dem Boot gegrillt wurde und es kühles Bier gab. Zum Grillen hat jeder Gast in einer Plastikschale Fleisch bekommen, das er selber zubereiten konnte. Ein weiter Ausflug war das Treffen mit dem Worship Committee der Schule, einer Gruppe von Lehrern, die sich um christliche Themen an der Schule kümmert. Auch dort wurde gegrillt. Ich war sehr überrascht, als es als Beilage Kartoffelsalat gab. Die letzte Veranstaltung dieser Art war der Teacher’s Day am 05.10. Nur für diesen Tag haben alle Lehrer und ein paar weitere Mitarbeiter braune Hemden mit dem Logo der Schule bekommen. Damit haben sie mich sehr stark an Pfadfinder erinnert. Die Schüler sollten eigentlich an dem Tag frei bekommen, mussten dann jedoch Probeklausuren schreiben. Bei diesen mussten Lukas und ich dann Klausuraufsicht führen. Nachdem der offizielle Teil des Teacher’s Day vorbei war, sind die Lehrer zum Grillen an den Fluss gefahren, wo wir auch dabei sein konnten. Was mich bei diesen drei Veranstaltungen beeindruckt hat, war, dass wir nur losen Kontakt hatten, bzw. gar nicht zu der Gruppe gehörten und trotzdem so herzlich empfangen wurden.

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Teacher’s Day – Wie bei den Pfadfindern

Ein Highlight war die Feier in der Botschaft in Lusaka zum Tag der Deutschen Einheit, zu der alle in Sambia lebenden Deutschen eingeladen wurden. Dort konnten wir die anderen Freiwilligen wiedersehen und sogar Freiwillige von anderen Organisationen kennenlernen. Auch unser Mentor Lazarous war eingeladen, weil er früher in der Deutschen Botschaft gearbeitet hat. Am Eingang wurde man vom Botschafter persönlich begrüßt. Es gab deutsches Bier, deutschen Wein und Currywurst. Später wurde dann sogar noch ein großes Buffet eröffnet.   Der Botschafter und auch andere wichtige Mitarbeiter der Botschaft waren uns Freiwilligen sehr offen gegenüber. So hat der Botschafter zu später Stunde sogar den Macarena mit uns getanzt. Am darauffolgenden Tag ging es für uns wieder zurück nach Kafue- dieses mal aber nicht zu zweit, sondern zu dritt. Unsere Mitfreiwillige Mayleen, die an einer Mädchenschule in Choma arbeitet, hat uns besucht. Das war eine sehr gute Abwechslung und auch interessant mal zu hören, wie sich Jungen- und Mädchenschule unterscheiden. Auch wir planen die anderen Freiwilligen bald bei ihren Einsatzstellen zu besuchen.

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